Die Frage nach islamischem Religionsunterricht ist aktuell, da er von muslimischer Seite zunehmend als gemäß Grundgesetz ihnen zustehend eingefordert wird - und zwar über die bisher bestehenden Angebote an türkisch sprechende Schulkinder hinaus.
Sie ist wichtig, da nur so die inzwischen ca. 700.000-800.000 muslimischen Kinder in deutschen Schulen Zugang zu einer fundierten religiös-ethischen Erziehung erhalten können. Mit ihm ist der doppelten Gefahr entgegenzuarbeiten:
- der Gefahr einer religiös-ethischen Desorientierung in der jungen Generation von Musliminnen und Muslimen einerseits, also der Gefahr eines Werteverlusts, weil man die Grundwerte der eigenen religiösen Tradition nicht mehr kennt,
- der Gefahr einer religiösen Fanatisierung andererseits (“verlockenden Fundamentalismus” hat der Bielefelder Soziologe Heitmeier bei einem Teil türkischer Jugendlicher beobachtet).
Es ist auch im Interesse des evangelischen und katholischen Religionsunterrichts, daß islamischer Religionsunterricht seinen Platz als “Wahlpflichtfach” auf der Grundlage unseres Grundgesetzes in der Fächergruppe “Religion/Ethik” - zu der auch orthodoxer und jüdischer Religionsunterricht sowie Ethikunterricht gehören - erhält.
In meinem Beitrag soll der Problembereich in größerem Zusammenhang beleuchtet werden, und zwar unter den Einzelfragen:
- Warum ist Religionsunterricht wichtig?
- Warum ist konfessionsbezogener Religionsunterricht sinnvoll?
- Was ist bisher in Richtung auf einen islamischen Religionsunterricht geschehen?
- Wie sieht die gegenwärtige Situation aus?
- Was steht an?
Dabei wird besonders eingegangen auf die strittigen Punkte eines deutschsprachigen islamischen Religionsunterrichts, des muslimischen Gegenübers zu den deutschen Kultusbehörden und der Ausbildung islamischer Religionslehrerinnen und Religionslehrer.
Literatur zum Vortrag:
- Asikoglu, N.T. (1998): Zur Rolle der interreligiösen Erziehung für die Integration türkischer Kinder in Deutschland.
In: Lähnemann, J. (Hg.): Interreligiöse Erziehung 2000. Hamburg, 241-249.
- Behr, H.H. (1998): Islamische Bildungslehre. Garching b. München.
- Evangelische Kirche in Deutschland (1994): Identität und Verständigung. Standort und Perspektiven des Religionsunterrichts in der Pluralität. Eine Denkschrift. Gütersloh.
- Lähnemann, J. (1994/4 2000): Nichtchristlicher Religionsunterricht - Interreligiöser Untericht. In: Schweitzer, F. u. Faust-Siehl, G. (Hg.): Religion in der Grundschule. Frankfurt/Main, 144-153.
- Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hg.) (1996): Religiöse Unterweisung für Schüler islamischen Glaubens. Jahrg. 1-10, Soest.
- Rohe, M. (2000): Rechtliche Perspektiven eines islamischen Religionsunterrichts in Deutschland. ZRP 2000 H. 5, 207-212.
- Zentralrat der Muslime in Deutschland/ZMD (Hg.) (1999): Lehrplan für den islamischen Religionsunterricht (Grundschule). Köln.