| Projektstart: | 01.11.2007 |
| Projektträger: | Universität Augsburg |
| Projektverantwortung vor Ort: | Prof. DDr. Thomas Marschler |
| Beteiligte Wissenschaftler der Universität Augsburg: |
Dipl. theol. Ursula Lievenbrück |
Die Herausbildung der Gnadenlehre oder Charitologie als eigenständiger Traktat im Rahmen der Binnengliederung des dogmatischen Themenspektrums erfolgte in der Zeit der nachtridentinischen Scholastik, und seither ist die Gnadenlehre integraler Bestandteil der dogmatischen Gesamtdarstellungen in Lehrbüchern der katholischen Theologie. Epochenübergreifend ließe sich formulieren, dass der spezifische Erkenntnisgegenstand des Gnadentraktates die Reflexion auf die heilsgeschichtliche, den Menschen rechtfertigende, heilende, rettende und befreiende Zuwendung Gottes zum Menschen ist. Die Entfaltung dieses Themas hat allerdings seit Entstehung der Gnadenlehre eine große Varianz etwa im Hinblick auf Ansatz, Methodik und Denkform, Traktatinhalt und -aufbau erfahren, die Verortung des Gnadentraktates im dogmatischen Gesamtkonzept variiert in Abhängigkeit vom theologischen Gesamtentwurf, und gegenüber Anfragen aus der protestantischen und orthodoxen Theologie ist ganz grundlegend zu rechtfertigen, dass überhaupt die Behandlung der gnadentheologischen Themen in Form eines eigenständigen Traktates erfolgt.
Ziel des Projektes ist eine Darstellung der Entwicklung des Gnadentraktates in dogmatischen Lehrbüchern für den Untersuchungszeitraum der vergangenen beiden Jahrhunderte, wobei ein Schwerpunkt des Erkenntnisinteresses sich auf die Frage richtet, in welcher Weise die theologische Kritik an der Neuscholastik die Wandlung der gnadentheologischen Traktatgestalt in Dogmatiken des deutschen Sprachraums seit Mitte des 20. Jahrhunderts beeinflusst hat.