Die Begegnung zwischen Christen und Muslimen findet seit den Zeiten Muhammads statt.
Sie trug dabei nicht die Kennzeichnung eines Dialogs, wie wir im 21. Jahrhundert den Begriff verstehen, als den friedlichen Austausch von gleichberechtigten und gleichgestellten Partnern über ein gemeinsames Thema zu einem gemeinsamen Ziel führend. Die Begegnung war vielmehr gekennzeichnet durch Apologetik, Krieg, aktive Mission, Eroberung und Ausgrenzung.
Mit dem Konzil ändert sich die Haltung der katholischen Kirche zum Islam und zum Glauben des einzelnen Muslims. Die Verurteilung des Islam als eine Art christliche Häresie wird abgelöst vom Respekt der gläubigen Haltung, die Ausgrenzung von der Einbeziehung in den universalen Heilswillen Gottes.
Auf der Basis der positiven Disposition und des Auftrages zum Dialog müssen Christen und Muslime die Rahmenbedingungen eines gelingenden Dialogs erst noch ausloten. Dabei wird oft übersehen, daß der Dialog nicht nur auf religiös-spiritueller Ebene, sondern auch auf der Ebene der Ausländer- und Außenpolitik geführt wird. Eine besondere Schwierigkeit des Dialogs liegt darin, daß die positive Disposition nur einseitig erschlossen wurde, von islamischer Seite jedoch bestehende Verurteilungen des Christentums nicht revidiert wurden.
In gewissen Situationen des Dialogs spielen diese genannten Bedingungen nur eine untergeordnete Rolle, weil sich die Partner weder auf der theologischen noch auf der politischen Ebene begegnen, sondern in ihren jeweiligen Lebenszusammenhängen. Mit der Beobachtung verschiedener Kompetenzbereiche von Dialog sollte auch die Achtung vor den spezifischen Kompetenzen einhergehen.
Eine dialogoffene Beziehung zwischen Muslimen und Christen zu gestalten, bedarf der Ausdauer. Vorurteile und Mißverständnisse, intellektuelle und emotionale Widerstände müssen ausgeräumt werden, die Gesprächspartner sollen sich nicht aus ihrer Gemeinschaft ausschließen müssen und dennoch aufrichtig für ein neues Miteinander einstehen können. Deshalb sollten Frustrationsverluste einkalkuliert werden und das geduldige Suchen als Erfolg gewertet werden.
Mit einer genauen Adressatenbeschreibung, einer exakten Teilnehmercharakteristik innerhalb der pastoralen Aufgabenfelder fällt die Zielvorgabe des jeweiligen interreligiösen Dialogsegments leichter.
Diejenigen, die sich auf den steinigen Weg des Dialoges mit Muslimen machen, sollten sich mit einer besonderen geistlichen Haltung ausrüsten. In dieses Gepäck gehört der Mut zum bekennenden Dialog, die Sicherheit, daß in der Begegnung mit dem Anderen Bekehrung und Hinwendung zu Gott stattfindet und die Stärke in der offensiven Suche nach Gott.
Literatur zum Vortrag:
- Zentrum für Türkeistudien: Endbericht zur Studie: Dialog mit einer neu etablierten religiösen Minderheit in NRW, türkische Muslime und deutsche Christen im Gespräch: unter besonderer Berücksichtigung einer Bestandsaufnahme des christlich islamischen Dialogs und der türkischislamischen Dachorganisationen. Düsseldorf, 1995, 2. Auflage
- Bouman, Johan: Christen und Muslime: Glauben sie an den einen Gott? Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Giessen, Brunnen, 1995, 2. Auflage
- Hagemann, Ludwig u.a. (Hrsg.): Auf dem Weg zum Dialog: Festschrift für Muhammad Salim Abdullah zum 65. Geburtstag.
Reihe: Religionswissenschaftliche Studien Bd. 37. Würzburg, Altenberge, Echter, Oros, 1996
- Bsteh, Andreas (Hrsg.): Christlicher Glaube in der Begegnung mit dem Islam. Reihe: Studien zur Religionstheologie, Bd.2. Mödling, St. Gabriel, 1996
- Lohr, Charles (Hrsg.): Anstöße zu einem Dialog der Religionen: Thomas von Aquin Ramon Lull Nikolaus von Cues. Freiburg i.Br., Verlag der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg, 1997
- Geisler, Ralf: Das Eigene als Fremdes: Chancen und Bedingungen des christlichislamischen Dialogs. Reihe: MenschNaturTechnik, Bd. 1. Hannover, Lutherisches Verlagshaus, 1997
- Geisler, Ralf: Kirche und Islam: Ein Plädoyer für den notwendigen Dialog. Reihe: Protestantische Beiträge zu Fragen der Zeit, Bd. 1. Hannover, Lutherisches Verlagshaus, 1997
- Lausanner Bewegung, Deutscher Zweig (Hrsg.): Christlicher Glaube und Islam: Erklärung der Lausanner Bewegung, Deutscher Zweig in Verbindung mit der Deutschen Evangelischen Allianz und der Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste in der EKD. Stuttgart, 1997
- Hagemann, Ludwig und Albert, Reiner (Hrsg.): Dialog in der Sackgasse? Christen und Muslime zwischen Annäherung und Abschottung. Würzburg, Echter, 1998
- Schumann, Olaf: Selbstverständnis und Fremdwahrnehmung: Religionsforschung im interreligiösen Kontext. Münster, LIT,1998
- Hagemann, Ludwig: Christentum contra Islam: Eine Geschichte gescheiterter Beziehungen. Darmstadt, Primus, 1999
- Huber-Rudolf, Barbara: Dialog zwischen Katholiken und Muslimen: CIBEDO als eine Kommunikationsstelle. Reihe: Interreligiöse Horizonte, Bd. 1, Köln, Böhlau, 1999
- Yardim, Nigar und Faust, Hauke: Aufeinander zugehen Miteinander leben: Situationsanalyse und Handlungsoptionen für einen christlich-muslimischen Dialog auf dem Hintergrund bisheriger Begegnungs und Verständigungsarbeit in Duisburg. Duisburg, 1999
- Weth, Rudolf (Hrsg.): Bekenntnis zu dem einen Gott? Christen und Muslime zwischen Mission und Dialog. Neukirchen-Vluyn, Neukirchener Verlag, 2000
- Groß, Engelbert und Konig, Klaus (Hrsg.): Religiöses Lernen der Kirchen im globalen Dialog: Weltweite akute Herausforderungen und Praxis einer Weggemeinschaft für EineWeltReligionspädagogik. Reihe: Forum Religionspädagogik interkulturell, Bd. 1. Münster, LIT, 2000