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Herr Yusuf Uca, Nürnberg


Leben und Glauben der Muslime in der BRD
In Deutschland leben ca. drei Millionen Muslime verschiedener Nationalitäten und kultureller Prägungen, davon mehr als eine halbe Million im Freistaat Bayern.

Hauptsächlich handelt es sich bei ihnen um Muslime, die als Kinder nach Deutschland gekommen oder hier geboren sind und mittlerweile in der zweiten, dritten und vierten Generation leben. Sie sind die Nachkommen der in den sechziger Jahren von Deutschland als Gastarbeiter angeworbenen Muslimen. Schließlich gibt es auch eine zunehmende Anzahl von deutschstämmigen Muslimen.

Daneben führten politische und gesellschaftliche Verhältnisse in der Welt dazu, dass Menschen islamischen Glaubens unter anderem in die Bundesrepublik eingereist sind.

Die Geschichte des Islams in Deutschland beginnt jedoch nicht erst mit dem Anwerbeabkommen in den sechziger Jahren, sondern reicht weit bis in die Anfänge des 18. Jahrhunderts hinein, das auch den Beginn der deutsch-muslimischen Freundschaft kennzeichnet. Die erste islamische Gemeinschaft bestand damals aus 20 frommen türk-stämmigen Gardesoldaten, die im preußischen Heer dienten. (Der Herzog von Kurland hatte sie seinem König, Friedrich I. im Jahre 1731 zum Geschenk gemacht)

Friedrich I. legte großen Wert darauf, dass seine Untertanen ihren religiösen Pflichten nachgehen konnten. Deshalb ließ er für diese Soldaten bereits im Jahre 1732 die erste islamische Gebetsstätte auf deutschem Boden am Langen Stall in Potsdam einrichten.

Auch sein Sohn Friedrich der Große folgte dem Prinzip der Toleranz und antwortete auf eine Anfrage der Stadt Frankfurt am Main, ob ein Katholik das Bürgerrecht in einer evangelischen Stadt erwerben dürfe, folgendermaßen: ”Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sich zu ihnen bekennen, ehrliche Leute sind und wenn die Türken kamen und wollten hier im Lande wohnen, dann würden wir ihnen Moscheen bauen.”

Der preußische König verlieh der islamischen Gemeinde durch die Zusage, dass er die islamische Religion und ihre Ausübung schützen und die den muslimischen Untertanen angestammte Lebensform gewährleisten werde, einen gesicherten Rechtsstatus.

Die Präsenz des Islams in Deutschland wurde bis in die neuere Zeit jedoch gesellschaftlich kaum wahrgenommen. Die Globalisierung in der Welt, die lnstitutionalisierung der Muslime und eine auf Dauer ausgerichtete Präsenz des Islams in Deutschland verändert und prägt das Bild des Islams in der Gegenwart

Der Islam ist nicht mehr eine in der Ferne liegende Erscheinung, über die man redet und dichtet, er ist zu einem Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit der Bundesrepublik Deutschland geworden und bildet nach dem Christentum die zweitgrößte Religionsgemeinschaft

Je mehr der nichtmuslimischen Bevölkerung in Bayern bewußt wird, daß Muslime Wert darauf legen, auch in einer christlich geprägten säkularen Kultur ihren Glauben zu praktizieren, desto größer werden auch die Besorgnisse.

Die Glaubens- und Lebenswelt ist den meisten unbekannt und sehr leicht wird man durch Medien oder Ereignisse in Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung irritiert. Die Ursache des verzerrten Bildes des Islams in dieser Gesellschaft hat geschichtliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Gründe.

Der Hauptgrund liegt sicherlich in der Unkenntnis dieser Religion. Gerade nach dem Fall der Mauer ist verstärkt die Rede von einem neuen Feindbild - dem Islam.

Allzuoft werden traditonsbedingte Verhaltensweisen von Muslimen zum Maßstab für den Islam gemacht. Dabei werden die verschiedenen Ausprägungen des Islams undifferenziert reflektiert. Gerade eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Islam ist aber Voraussetzung für die Integration der Muslime in diese Gesellschaft.

Die Integration ist ein wichtiger gesellschaftlicher Prozess, bei dem jeder einzelne in der Gesellschaft gefordert ist seinen Betrag zu leisten mit dem Ziel, ein friedliches Zusammenleben zu erreichen.

Dies ist nicht nur eine Aufgabe der deutschen Öffentlichkeit, sondern auch die der hier lebenden Muslime. Es kann aber nur in Zusammenarbeit und durch gegenseitige Akzeptanz gelingen, ohne dass auf kulturspezifische Unterschiede verzichtet werden müßte.