
Die Aufführung der Rockoper ›Jesus Christ Superstar‹ von Tim Rice und Andrew Llyod Webber auf der Freilichtbühne Augsburg bot Gelegenheit, sich anhand der Texte mit den christologischen Vorstellungen dieses nach wie vor aktuellen Musicals zu befassen.
Am 15. Juli 2006 diskutierten wir die Personenkonstellationen Jesus, Judas und Maria von Magdala wie sie hier vorgeführt wurden, suchten Zentralaussagen des Textes zu formulieren und mit den neutestamentlichen Aussagegehalten zu vergleichen. Dabei fielen so manche Eigenwilligkeiten auf: Der ungewöhnliche, jüdischem Hintergrund geschuldete Zeitrahmen vom Freitag vor Palmsonntag bis zum Karfreitag, das bestürzende Ende Jesu am Kreuz, mit welchem auch die Rockoper endet, die stereotype Frauenrolle Marias von Magdala und schließlich Judas, die eigentliche Hauptfigur. Fassungslos stellt er fest, dass alle Versuche einen durch seine Fans verblendeten Jesus auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen zu guter Letzt zur uneinholbaren geschichtsmächtigen Rezeption dieses Menschen führen, der doch in seinen Augen nichts ist als ›einfach nur ein Mann‹. Jesus Christ Superstar, – die Geschichte eines Mannes, den man zum Star machte ... Jesus und Judas Opfer eines fragwürdigen und verzichtbaren Vater-Gottes.
Wie anders nehmen sich hier die neutestamentlichen Glaubenszeugnisse aus: Von der Selbsthingabe Gottes in Gestalt seines Sohnes Jesus Christus ist dort die Rede, nicht vom sadistisch hingemeuchelten und masochistisch sich gerierenden Opfer eines menschlichen Spielballs des übermächtigen Vater-Gottes. Von der Aussicht auf Lebensräume hier und jetzt wie dort und dann, welche gerade Stereotype aufbrechen, sie nicht prolongieren ...
Die angeregten Diskussionen aus der Seminarsitzung wurden im Anschluss an die Augsburger Inszenierung fortgesetzt, welche nochmals ganz eigene, den Text gelegentlich fast konterkarrierende Akzente setzte.