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Geschichte des Urchristentums


Das Ziel der Forschungen zur „Geschichte des Urchristentums“ ist die Entwicklung eines neuen Modells verschiedener Phasen der Geschichte der ersten Christen, das geeignet ist, die Genese der christlichen Gemeinschaft(en), aber auch die Entstehung der vorliegenden, heute im Neuen Testament gesammelten Schriften der ersten Christen zu erklären. Methodisch ist dabei eine historische und eine theologiegeschichtliche Auswertung aller zur Verfügung stehenden Quellen, also neben dem Neuen Testament z.B. auch der Schriften der sogenannten apostolischen Väter, erforderlich. Die in der Exegese klassische „Gegnerfrage“ bedarf – durchaus einer Entwicklung in der gegenwärtigen Exegese z.B. zum 2. Korintherbrief folgend – der Modifikation hin zur Analyse von Prozessen der Gruppenbildung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine klare Unterscheidung zwischen Orthodoxie und Häresie für die frühe Phase des Christentums unangemessen ist und dass die heute im Neuen Testament versammelten Schriften von verschiedenen, teilweise sogar oppositionellen urchristlichen Strömungen verfasst worden sind. Die jüdische Prägung aller urchristlichen Gruppen bildet dabei die Grundlage der Untersuchung, wobei sich an der Auffassung darüber, auf welche Weise jüdische Überzeugungen und Identitätsmerkmale in den frühen Christus-Gemeinden umzusetzen sind, Gruppengrenzen herausbildeten. Wichtig ist eine historische Kontextualisierung urchristlicher Ausdrucksformen, z.B. bei der Entwicklung von Gemeindestrukturen, Ritualen und Ämtern.