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„Die Spiritualität Don Boscos – Impulse für den Dienst an der Jugend in Jugendpastoral und Pädagogik“


Gastvortrag von Erzbischof em. Dr. Alois Kothgasser SDB

Anlässlich des 200sten Geburtstages des Hl. Johannes Bosco (1815–1888) luden am 2. Juli 2015 die Stiftungsjuniorprofessur für Theologie des geistlichen Lebens, sowie die Professur für Liturgiewissenschaft Erzbischof em. Dr. Alois Kothgasser SDB zum Gastvortrag ein.

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Der von Jugend an mit der Spiritualität Don Boscos vertraute Referent verfolgte in seinem Vortrag das Ziel, Schwerpunkte aus der Spiritualität und Pädagogik Don Boscos „herauszuschälen“. Diesem Vorhaben stellte der emeritierte Erzbischof einen Blick in die Zeitgeschichte voran, woraus ersichtlich wurde, dass Don Bosco in eine Zeit des Umbruchs und Aufbruchs hineingeboren wurde, eine Zeit, in der sich das Königreich Italien formierte und von wirtschaftlichen Verwerfungen gekennzeichnet war. Prägend seien für Don Bosco auch Land und Leute gewesen. Die stille und fruchtbare norditalienische Gegend von Asti ließ die Menschen bodenständig, realistisch, vernünftig und zäh sein. Bei Don Bosco hätte sich diese Mentalität mit Antrieb und Innovation verbunden.

In der Familie sei die schon bald verwitwete Mutter mit ihrer Menschenkenntnis und Frömmigkeit prägend gewesen. Früh lernten der kleine Giovanni und seine Brüder von ihr das Beten und das Bewusstsein, in der Gegenwart Gottes zu leben. „Gott gehörte zur Familie Bosco“, so der Erzbischof. Dies wurde deutlich in der bewussten Mitfeier des Kirchenjahres und im Nacherzählen biblischer Berichte. In seinen jungen Jahren habe Johannes Bosco das Leben in einfachsten Verhältnissen kennengelernt und gleichzeitig eine aufmerksame Sorge für die Armen seiner Umgebung entwickelt. Neben diesen Merkmalen hätte ihn auch ein fabelhaftes Gedächtnis ausgezeichnet, was Don Bosco nicht nur während seiner Ausbildung von Vorteil gewesen sei, sondern auch bei seinen späteren zahlreichen Begegnungen.

Richtungsweisend war für Don Bosco nach Erzbischof Kothgasser ein Traum des 9-jährigen Giovanni, der sich über 18 Jahre hinweg immer wieder auf unterschiedliche Weise wiederholte. Darin sah der Heilige sich selbst, wie er in Wut versuchte, eine Gruppe streitender Kinder auseinanderzubringen, wobei er von einem Mann – Christus – mit folgenden Worten ermahnt wurde: „Nicht mit Schlägen, sondern mit Güte wirst du sie zu Freunden gewinnen.“ Der Mann hätte ihn auch auf eine Frau – Maria – verwiesen, unter deren Anleitung er den Kindern in Liebe und Güte begegnen sollte. In diesem Traumerlebnis sind nach Kothgasser alle „Grundelemente“ der Sendung Don Boscos enthalten.

Die Spiritualität und Pädagogik Don Boscos fänden ihren „Knotenpunkt im konkreten Leben“. Nach dem Biograph Pietro Stella war für Don Bosco die Sorge um das Heil der Menschen der innere Antrieb für sein Tun. Dieses Anliegen prägte seine Zeit durch und durch, allerdings unterschied sich der Heilige durch seine bewusste Betonung der Güte und Liebe Gottes. Prägend waren nach den Ausführungen Kothgassers auch ein Besuch im Jugendgefängnis und die Not der in die Stadt gekommenen Jugendlichen. Don Bosco fragte sich, wie es soweit kommen konnte, und bemühte sich, Präventivmaßnahmen zu ergreifen. Der junge Priester Don Bosco fühlte sich „als guter Hirte“ gerade zu ihnen gesandt und wandte sich trotz Karrierechancen den Armen und Schwachen zu, so Kothgasser. Dieses Bild des guten Hirten könne man als „Quelle und Modell“ der Sendung Don Boscos begreifen. Der Erzieher müsse „da sein“ und mit den Jugendlichen mitgehen – immer, ob in der Schule oder in der Werkstatt und eben auch in der Pause. Gerade die Freizeit sah Don Bosco als den wirkungsmächtigsten Ort der Erziehung an, so der Referent. Dabei hätte ihn das Bestreben geleitet, in jedem Menschen immer das Gute zu finden. Die Mitte dieses Geistes sei die Haltung der „pastoralen Liebe“ gewesen, die „herzliche Liebe“, die „amorevolezza“. In diesem Sinne hätten Spiritualität, Pädagogik und Pastoral eine untrennbare Einheit gebildet.

Zum Schluss stellte der Referent die Frage nach der „geistlichen Unterfütterung“ Don Boscos, wobei er zunächst an eine Anekdote aus dem Seligsprechungsverfahren erinnerte. Nachdem man gefragt hätte, wann denn Don Bosco bei all seiner vielen Arbeit überhaupt gebetet hätte, sei die Gegenfrage aufgekommen, wann er denn eigentlich nicht gebetet habe. Kothgasser legte dann dar, dass der Heilige in einer ständigen Gottesgemeinschaft, in einer tiefen „communione con Dio“, gelebt hätte. Seine Zeitgenossen, so Kothgasser, erlebten ihn als einen ganz in Gott gesammelten Menschen. Zudem sei Don Boscos Beziehung zu Maria zentral gewesen. Nach den Ausführungen Kothgassers sah der Heilige Maria wirklich bei sich und den Menschen anwesend. Daraus habe er ein unglaubliches Vertrauen und eine Sicherheit in den Beistand Mariens setzten können. Hinzu komme die Gestalt des hl. Franz von Sales (1567–1622), der nach Auffassung Kothgassers einer der ausgewogensten Heiligen der Kirche ist, weil er das Mensch- und Christsein in großer Klarheit erfasst und die Liebe in die Mitte des christlichen Lebens gestellt hätte. Schließlich sei Don Bosco von einer besonderen Treue zur Kirche geprägt gewesen.

Als Zusammenfassung des Lebens und der Spiritualität Don Boscos zitierte Kothgasser den Heiligen selbst mit den Worten: „Ich ging immer in meinem Leben voran wie Gott es mir eingab und die Umstände der Zeit es erforderten“. Den Blick nach oben und in die konkrete Situation hinein hätten das Leben Don Boscos ausgemacht.

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Meldung vom 07.07.2015