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De Processibus Matrimonialibus 2018


25. Veranstaltung „De Processibus Matrimonialibus“

Nun schon zum 25. Mal sind Wissenschaftler, Kanonisten und Studierende der Einladung von Prof. Dr. Dr. Elmar Güthoff und PD Dr. Karl-Heinz Selge gefolgt und kamen am 22. und 23. November 2018 zu „De Processibus Matrimonialibus“ (kurz „DPM“), erneut in Augsburg, zusammen. Mit spannenden Vorträgen und regem Austausch zwischen Kanonisten aus Wissenschaft und Praxis sowie Nachwuchswissenschaftlern und Studierenden war auch der diesjährige Workshop zu Ehenichtigkeitsverfahren wieder eine große Bereicherung für alle Beteiligten. Was 1994 als wissenschaftliche Fortbildung des Gerichtspersonals begann, ist längst zu einer etablierten Veranstaltung geworden, bei der Studierende die Möglichkeit haben, einen Seminarschein zu erwerben und alle Teilnehmenden sich über aktuelle Entwicklungen des kanonischen Eheprozessrechtes informieren können.

Nach den Grußworten von Prof. Dr. Dr. Thomas Marschler, dem Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg und Bischof Dr. Konrad Zdarsa, das von Frau Prof. Dr. Gerda Riedl verlesen wurde, hielt Frau Prof. Dr. Kerstin Schlögl-Flierl, Inhaberin des Lehrstuhls für Moraltheologie an der Universität Augsburg das erste Fachreferat der diesjährigen DPM. Ihr Thema lautete: Versöhnung als Hoffnungsweg?! – Konsequenzen für den personalistischen Ehebegriff im CIC in Folge von „Amoris laetitia“. Unter anderem sprach sie die Problematik an, die sich für wiederverheiratet Geschiedene hinsichtlich des Eucharistieempfangs ergeben. In diesem Zusammenhang zeigte sie ein öffentliches Bußverfahren als einen möglichen Lösungsansatz auf. Im Anschluss referierte Prof. Dr. Dr. Andreas Weiß aus Eichstätt. In seinem Vortrag zur Beurteilung der Zuverlässigkeit und Glaub-haftigkeit von Aussagen „attentis principiis psychologiae iudiciariae“. Ein weiterer Versuch zur Sensibilisierung für das Gebiet der Aussagepsychologie gab er den Zuhörern ein Instrument an die Hand, den Wahrheitsgehalt von Zeugenaussagen beurteilen zu können.

Nach der Mittagspause eröffnete Prof. Dr. Andriy Tanasiychuk aus Venedig den Nachmittag mit seinem Vortrag über die Eheschließungsform im CCEO. Dr. Yves Kingata aus München sensibilisierte das Fachpublikum anschließend für das Problem von Inkulturation und Unauflöslichkeit der Ehe. Die kongolesischen Stammesehen im Spannungsfeld von kirchlichem und staatlichem Eheverständnis. Anhand vieler Beispiele zeigte er auf, wie groß die Unterschiede im Eheverständnis alleine zwischen den verschiedenen Stämmen sind. Dass sich diese Stammesbräuche im Hinblick auf die Ehe nicht immer ganz leicht mit dem kirchlichen Eheverständnis vereinbaren lassen, wurde dem Zuhörer schnell deutlich. Da es durch die Migrationsbewegung wichtiger denn je ist, sich mit dem Eheverständnis anderer Kulturen vertraut zu machen, war dieser Vortrag eine große Bereicherung. Mit einem kleinen Imbiss und der Möglichkeit zu Begegnung und Austausch klang der erste Veranstaltungstag aus.

Der zweite Tag wurde von Prof. Dr. Stefan Mückl aus Rom eröffnet. Sein spannendes Thema war Recursus ab abusu 2.0. Neuere Entwicklungen bei der Überprüfung kirchlichen Handelns durch staatliche Gerichte. Er zeigte das Spannungsfeld zwischen kirchlichem Selbstbestimmungsrecht und staatlicher Überprüfung kirchlicher Entscheidungen auf, vor allem hinsichtlich des kirchlichen Arbeitsrechtes. Prof. Dr. Elemér Balogh aus Szeged beleuchtete im Anschluss ein rechtsgeschichtliches Thema und zwar die Rolle der „iurisperitorum“ in der mittelalterlichen ungarischen kirchlichen Gerichtsbarkeit im Hinblick auf die bayerische Entwicklung.

Nach jedem Vortrag bestand die Möglichkeit der Nachfrage und oft entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, an der sich sowohl Studierende als auch Kanonisten aus Wissenschaft und Gerichtspraxis beteiligten. Die einzelnen Referate können in der Zeitschrift DPM 25/26 (2018/19) nachgelesen werden. Der Band soll 2020 erscheinen.

Regina Schwarz