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„Musik und Bild im Dienst der Liturgie vom 9. – 12. Jahrhundert“ - Interdisziplinäres Blockseminar der Musikwissenschaft und Liturgiewisssenschaft


Musica et vinum laetificant cor

„Musik und Bild im Dienst der Liturgie vom 9. – 12. Jahrhundert“ - Interdisziplinäres Blockseminar der Musikwissenschaft und Liturgiewisssenschaft

 

Am Wochenende vom 6. bis zum 8. Juli 2018 führte uns, d. h. Dozenten und Teilnehmer vorwiegend aus Musik- und Liturgiewissenschaft, das Blockseminar „Musik und Bild im Dienst der Liturgie vom 9. – 12. Jahrhundert“ ins Benediktinerstift Marienberg und Umgebung. Ausgehend von den Sakralbauten des Obervinschgaus von der Karolingerzeit bis zur späten Romanik haben wir ausgewählte liturgische Räume in Theorie und Praxis von Seiten der Liturgie, Musik und Kunst erschlossen. Uns bot sich Gelegenheit, verschiedenste Klangräume zu besichtigten und mit zur jeweiligen Zeit passenden Gesängen zu erkunden. Dabei stand die Benediktinerabtei Marienberg und besonders deren berühmte Engelskrypta im Mittelpunkt. Darüber hinaus führten uns Abstecher nach St. Benedikt in Mals, St. Johann in Müstair und St. Johann in Taufers. Die vorbereitenden Treffen in Augsburg, bei denen wir einige Stücke angesungen hatten, ließen bereits großes erwarten und weckten unsere Vorfreude auf die kommenden Tage.

Das Seminar wurde als interdisziplinäre Lehrveranstaltung der Professur für Musikwissenschaft der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät und der Professur für Liturgiewissenschaft der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg geplant und durchgeführt. Beteiligt haben sich außerdem Vertreter der Fachrichtungen Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters (Germanistik), sowie Gesang, Lateinische Philologie des Mittelalters und Germanistische Mediävistik. Seitens der Studierenden nahmen Interessierte aus der Theologie und der Musikwissenschaft teil, sodass wir das Seminar mit der angenehmen und erfreulichen Gruppenstärke von insgesamt zehn Leuten durchführen konnten.

Unser Arbeitsspektrum beschränkte sich nicht nur auf das Singen zeitgenössischen Liedguts aus der Karolingerzeit (ab etwa 750 n. Chr.) bis hin zur Romanik (ab etwa 1000 n. Chr.), zum Beispiel des „Planctus Karoli“ aus Paris oder dem „O quam mirabilis“ der Heiligen Hildegard. Es erstreckte sich auch auf die Betrachtung ikonographischer und architektonischer Kunst- und Bauformen vor Ort. Dazu gehörte die Besichtigung der Klostermuseen von Müstair und Marienberg, sowie der Klöster selbst, soweit klausurbedingt möglich. Einem Zufall verdankten wir es, dass am Tage des Besuches im Kloster Münstair der schweizer Bundesrat Ignazio Cassis, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, ebenfalls zugegen war. So wurden wir eingeladen, auch ihm Ausschnitte unserer musikalischen Arbeit zu Gehör zu bringen. Als theoretische Auseinandersetzung anhand ausgewählten Fragestellungen wie zum Beispiel „Romanik versus Gotik“, „Hildegard von Bingen als Schöpferin geistlich-liturgischer Musik“ oder „Ordinarium und Proprium mit ihren Formen und Funktionen in der Liturgie“ durften wir im eigenen Marienberger Seminarraum, unter freiem Himmel oder als Tischlesung den informativen Referaten der Studierenden lauschen.

Die Begegnungen mit Abt Markus Spanier OSB des Benediktinerstifts Marienberg, der uns für die Dauer unseres Aufenthalts äußerst aufmerksam und zuvorkommend betreute, waren ein besonderes Glück für unsere Studiengruppe. Durch ihn kamen wir nicht nur in den Genuss eines tieferen Einblicks in Räumlichkeiten und Geschichte des Klosters. Er führte uns unter anderem in die neue, unterirdisch angelegte Bibliothek und gewährte uns Einsicht in den Palimpsest- und Fragmentenbestand der Abtei. Gemäß dem Motto „Musica et vinum laetificant cor“ öffnete der Abt für uns obendrein das Gustostückerl von Marienberg als ein besonderes Geschenk. Nämlich eine von nur 200 abgefüllten Flaschen Weines, gekeltert aus den Trauben des ebenfalls neu angelegten, klostereigenen Weinbergs. Mit der Anmut eines „flüssigen Obstsalates“ ist dieser exklusive, vollkommen naturreine Wein ein überragend gutes und raffiniertes Geschmackserlebnis, das jedes weitere ordinär und eindimensional erscheinen lässt.

Den geistlichen Höhepunkt und zugleich den inhaltlichen Abschluss der Lehrveranstaltung bildete die Feier und musikalische Gestaltung der sonntäglichen Konventmesse in der Kirche der Abtei mit der Missa de Angelis und Teilen des eigenen Repertoires. Wiederum durch Abt Markus damit versorgt traten wir am Nachmittag mit Kaffee und Kuchen gestärkt und angefüllt mit den Impressionen des Wochenendes die Rückfahrt nach Augsburg an. Insgesamt war es ein erfolgreiches und lehrreiches Studienwochenende in stimmlich wie auch menschlich harmonischer Mannschaft.

Die authentischen Verantsaltungsorte, das Zusammenwirken der verschiedenen Fachbereiche, die gemütliche Unterkunft in malerischer Umgebung und das gute Wetter ließen beinahe vergessen, dass man eigentlich arbeitet.

J. Massinger, 12.07.2018

Meldung vom 13.07.2018